» Aktuelle Informationen

Viele Morde bleiben unentdeckt

Leichenschau



Der Westen online 06.11.2009                 WR, 06.11.2009, Marc-André Podgornik


Dortmund. Die vermutete hohe Dunkelziffer bei Mord und Totschlag soll durch genauere Untersuchungen der Leichen reduziert werden. Darauf einigten sich die Justizminister von Bund und Ländern nach langer Diskussion. In Zukunft sollen medizinischen Untersuchungen in Zweifelsfällen ausgeweitet werden.


Die Deutsche Hospizstiftung schätzt die unentdeckten Tötungsdelikte auf 1200 bis 2400 pro Jahr. „Nirgendwo in Europa wird so wenig obduziert wie in Deutschland. Die Gerichtsmedizin ist systematisch kaputtgespart worden”, so der Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch, zur WR. Nach seiner Darstellung ist es insbesondere in Pflegeheimen und Krankenhäusern, „wo der Tod erwartet wird, viel zu leicht, unnatürliche Todesursachen und Pflegemängel zu vertuschen”. Brysch fordert darum „verpflichtende amtsärztliche Leichenschauen, für die besondere Qualitätskriterien gelten”. Jedes Mal, wenn ein pflegebedürftiger Mensch oder ein Krankenhauspatient sterbe, müsse die Todesursache besonders gründlich aufgeklärt werden.

Die bisher für die Leichenschau zuständigen Haus-oder Klinikärzte hätten oft nicht die Zeit und nicht immer das erforderliche Fachwissen, um Fälle von Mord oder Totschlag zu entdecken, sagte der Vorsitzende der Justizministerkonferenz, Sachsens Ressortchef Jürgen Martens (FDP). Darum planen die Justizminister, die Qualifizierung derjenigen Ärzte, die Leichenschauen vornehmen, durch Fortbildung zu verbessern. Zudem sollen die Honorare dafür erhöht werden. Weiter ist nach den Worten der Justizministerin von Sachsen-Anhalt, Angela Kolb (SPD), „die Feststellung des Todes und die Leichenschau auf zwei Mediziner zu verteilen”. Mediziner sollen auch verpflichtet werden, Zweifel an einem natürlichen Tod zu melden.

Auch der Chef des Instituts für Rechtsmedizin Dortmund, Ralf Zweihoff, hält eine Verbesserung auf dem Gebiet für richtig. „Es spricht schon einiges dafür, dass die geplanten Verbesserungen gerechtfertigt sind”, so Zweihoff zur WR. „Geschulte Mediziner sollten ein Zertifikat erhalten.” Das reicht dem Vorsitzenden der Hospizstiftung, Eugen Brysch, nicht aus. Er warnt die Bundesländer davor, auf eine billige Lösung zu setzen. „Jetzt nur die Ärzte fortzubilden, ist ein erster Schritt, reicht aber nicht aus.”


Info

Weitere Beschlüsse Die USA sollen dazu bewegt werden, bei einem schon ausgehandelten Abkommen über die Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität den Datenschutz zu verbessern. In Deutschland leben etwa 20000 Frauen, die Opfer einer Genitalverstümmelung sind. Die Aufklärung über dieses Verbrechen soll verstärkt und ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden Schwerkriminelle sollen über ihre eigentliche Haftzeit hinaus in Sicherungsverwahrung gehalten werden dürfen.

10.11.2009