Über 1200 Morde pro Jahr bleiben unentdeckt
EXPRESS 05.11.2009
Berlin - Eine erschreckende Vorstellung: Mindestens 1200 Tötungen sollen Jahr für Jahr in Deutschland unentdeckt bleiben. Alles nur, weil angeblich das Fachwissen bei den Ärzten fehlt. Gegenüber der ,,Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der Vorsitzende der Justizministerkonferenz, der sächsische Ressortchef Jürgen Martens, vor deren Treffen in Berlin: ,,Die bisher für die Leichenschau zuständigen Haus- oder Klinikärzte haben oft nicht das erforderliche Fachwissen, um Fälle von Mord oder Totschlag zu entdecken." Seriöse Schätzungen gingen von mindestens 1200 Fällen im Jahr aus, in denen Ärzte irrtümlich eine natürliche Todesursache feststellten, erklärte der FDP-Politiker. ,,Wir brauchen dringend speziell ausgebildete Mediziner für die Leichenschau, wie es in anderen EU-Ländern längst üblich ist." Nach den Plänen einer Arbeitsgruppe der Justizministerkonferenz müssen Mediziner künftig eine Weiterbildung bei der Ärztekammer vorweisen, um Leichenschauen durchführen zu können. Im Gegenzug sollen die Ärzte für die Leichenschau besser bezahlt werden. Laut Martens dränge die Justizministerkonferenz auch auf einen besseren Schutz der Bürger vor rückfälligen Sexual- und Gewaltstraftätern. ,,Die gesetzlichen Hürden für eine nachträgliche Sicherungsverwahrung sind zu hoch."



