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Roy erschnüffelt Drogen im Bautzener Knast

Anstaltsleiter setzt auf restriktives Vorgehen

LR Hoyerswerda 05.03.2010


Greta, Roy und Alpha tragen keine Uniformen und haben auch nicht die Polizeihochschule in Rothenburg besucht. Dennoch gelten sie als Kommissare – als Kommissare auf vier Pfoten in Diensten der sächsischen Justiz.

Von Uwe Menschner


Eigentlich sollte man es kaum glauben, und doch gibt es in den sächsischen Justizvollzugsanstalten ein Drogenproblem. Ob durch Besucher mitgebracht oder einfach über die Mauer geworfen: Immer wieder fanden die Bediensteten in den Gefängnissen des Freistaates Betäubungsmittel. Da deren Besitz und Anwendung schon für in Freiheit lebende Bürger streng verboten ist, gilt dies natürlich in gleichem Maße auch für Strafgefangene. Um des Problems Herr zu werden, startete die sächsische Justiz im Oktober 2007 ein Pilotprojekt: In den Vollzugsanstalten Torgau und Zeithain nahmen damals die ausgebildeten Rauschgiftspürhunde Bela und Vico ihren Dienst auf. „Seitdem haben sie in den beiden Anstalten rund 69 Gramm Haschisch, 21 Gramm Marihuana und 69 Gramm Ecstasy erschnüffelt“, erklärt der Pressesprecher des Sächsischen Justizministeriums, Till Pietzcker.

Nie kapituliert

Die beiden Schnüffelnasen im Dienste der sächsischen Justiz kapitulierten dabei auch nicht vor raffinierten Verstecken: So entdeckte Bela beispielsweise in einem Eimer mit Müll und Ölbinder fünf Gramm Heroin. „Ein Gefangener hatte unter dem Innenrand seiner Toilette, eingewickelt in mehrere Lagen Folie, ein Handy und einige Gramm Haschisch versteckt. Ein anderer Strafgefangener höhlte in akribischer Arbeit den Spreizdübel seines angeschraubten Bettes aus und befüllte ihn mit Haschisch“, nennt Till Pietzcker weitere Fallstudien. Wegen der positiven Erfahrungen in der Pilotphase wurden seit Oktober 2009 weitere Drogenspürhunde ausgebildet und trainiert. Die „Neuen“, Greta, Roy und Alpha (II) wurden durch die Diensthundeschule der Polizei auf die Suche nach Drogen in den Justizvollzugsanstalten, vorbereitet. Sie lernten dabei, Drogen an ihrem Geruch zu erkennen und aufzuspüren. „Die Hundeführer sind Vollzugsbedienstete, die ihre neue Aufgabe als Diensthundeführer aus Interesse übernommen und sich ebenfalls einer intensiven Ausbildung unterzogen haben“, erklärt der Pressesprecher. Vor wenigen Tagen nun konnte Justizminister Dr. Jürgen Martens (FDP) den frisch gebackenen zwei- und vierbeinigen Drogenexperten die Bescheinigung zur bestandenen Prüfung übergeben und somit den Startschuss für die Drogensuche in weiteren sächsischen Vollzugsanstalten, unter anderem in Bautzen, geben.

,,Nur ohne Drogen’’

„Eine erfolgreiche Resozialisierung funktioniert nur ohne Drogen“, ist der Minister überzeugt. „Deshalb will ich, dass wir in den Justizvollzugsanstalten besonders intensiv kontrollieren. Die Hunde finden Drogen nicht nur in den ausgeklügeltsten Verstecken, sie haben vor allem auch eine enorm abschreckende Wirkung.“ In den Zellen, aber auch schon im Besucherraum drohe eine schnelle Entdeckung durch die Hunde. In der Justizvollzugsanstalt Bautzen kommt Roy, ein belgischer Schäferhund, zum Einsatz. Sein Einsatzgebiet erstreckt sich auch auf die benachbarte JVA Görlitz. Laut dem Leiter der JVA Bautzen, Burghard Jäckel, stellen Drogen innerhalb der Gefängnismauern ein großes Problem dar: „In dem gleichen Maße wie außerhalb gilt dies auch bei uns.“ Der größte Teil werde durch Besucher eingeschmuggelt. Dabei gehe der Trend zunehmend zu harten Drogen wie Heroin. Für den Bautzener Anstaltsleiter ist es besonders wichtig, Strukturen des Drogentransports innerhalb der JVAs zu zerschlagen und dabei auch restriktiv einzuschreiten. „Dies kann Isoliermaßnahmen in besonders gesicherten Hafträumen oder die Verlegung in andere Haftanstalten beinhalten“, betont Jäckel.

5.03.2010