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Plauen bewirbt sich um Gefängnis-Neubau

Nach angekündigter Schließung der Haftanstalt auf dem Chemnitzer Kaßberg: Stadtrat wittert Chancen

FP Plauen 26.02.2010


Von Tino Beyer


Plauen. Hat Plauen bald wieder ein Gefängnis? Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) will sich um den Neubau einer Justizvollzugsanstalt in Plauen schriftlich bei Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP) bewerben. Das sagte er gestern im Stadtrat und nahm spontan einen Vorschlag von Constantin Eckner (FDP) auf. Plauen könnte damit an seine über 100-jährige Gefängnisgeschichte anknüpfen. Seit 1902 gab es in der Stadt einen Knast. Das Aus für den Standort auf dem Amtsberg kam im August 2007. Der Vorstoß von Eckner basiert auf einen Artikel gestern in der „Freien Presse“. Der sächsische Justizminister Martens und sein Ministerkollege aus Thüringen könnten sich einen Neubau an einem verkehrstechnisch günstigen Standort nahe der Landesgrenze in Westsachsen oder Ostthüringen vorstellen, hieß es dort. Eckner: „Da lese ich doch etwas zwischen den Zeilen. Wir sollten den Gedanken einer JVA in Plauen neu beleben.“

Oberdorfer nahm den Ball sofort auf. „Wir hatten schon einmal den Neubau einer Justizvollzugsanstalt ins Spiel gebracht. Damals allerdings wurde die Idee wegen unserer Randlage in Sachsen nicht befürwortet“, sagte er gestern. Wenn sich jetzt die Dinge neu darstellten, „sollten wir uns in Erinnerung bringen“, so der Rathaus-Chef. Und: „Eine Bringepflicht in Form eines Ausgleichs für die Schließung hat der Freistaat allemal.“ Bei der Schließung des alten Plauener Gefängnisses hatten Politiker vieler Parteien einen Ausgleich gefordert. Auch ein Gefängnis sei schließlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so die Meinungen damals.

Für den Standort des alten Plauener Gefängnisses sind zwischenzeitlich große Pläne geschmiedet worden. Vor reichlich einem Jahr stellte Oberdorfer das Projekt „Campus Amtsberg“ vor. Die Berufsakademie (BA) sollte kräftig wachsen. Die Gebäude im Herzen der Stadt schienen geradezu ideal, um dort eine repräsentative Heimstatt für Studenten zu schaffen. Das Vorhaben war mit zehn Millionen Euro kalkuliert, der Ausbau der BA beschossene Sache. Finanzminister Georg Unland (parteilos) sah den Campus schon vor Augen. Doch dann kam die Finanzkrise, und der BA-Ausbau wurde in Dresden auf Eis gelegt. Ob das kühne Großprojekt jemals umgesetzt wird, scheint angesichts der angespannten Kassenlage momentan fraglicher denn je. Plauen ist damit in eine Situation geraten, die beinahe wieder die Einforderung eines Ausgleichs rechtfertigt. Gut möglich, dass es daher bald heißt: Knast statt Campus.

1.03.2010