Meerane feiert gleich doppelt

Freie Presse 08.06.2009
Kunsthaus am Markt und Wunderlich-Pavillon im benachbarten Park vorgestern feierlich eingeweiht
Gleich zwei Ereignisse hatten die Meeraner am Samstag zu feiern: Die Eröffnung des Kunsthauses und die Einweihung
des neuen Wunderlich- Pavillons. Meerane. Kunst im Kaufhaus – seit Samstagnachmittag gibt es das offiziell nicht mehr nur in Chemnitz, sondern auch in Meerane. Trotz des miesen Wetters hatten sich viele Meeraner auf den Weg gemacht, um bei
der feierlichen Eröffnung des neuen Gebäudes am Markt dabei zu sein. Mit einer Fanfare, mutig geschmettert vom alten Rathaus gegenüber, hatte Turmbläser Reinhard Scherzer den Startschuss für Bürgermeister Lothar Ungerers kurzweiligen
Abriss der Ereignisse und Rückblicke in die Chronik des Hauses gegeben, das der Stadt und deren Kern zu einem neuen, eigenen, typisch Meeraner Stadtbild verhilft. „Sehr viele haben mit daran gearbeitet“, lobte der Bürgermeister. Eine Million Euro verschlang die Sanierung. Als Glücksfall und vielleicht weitere Einzigartigkeit erwies sich, dass jener Glauchauer gefunden werden konnte, der schon das Kaufhaus geplant hatte, erzählte Ungerer. Gigantische Höhler befinden sich nämlich
unter dem Gebäude, die jedoch schon 1977/1978 verfüllt worden waren. „Da muss der ganze Beton aus der Region Glauchau reingekippt worden sein“, scherzte der Bürgermeister. Dieser Grund jedenfalls sorgt nun für das einzigartige Fundament des Kunsthauses. Unten gibt es Buchkunst und Kunstgewerbe, im ersten Stock die Galerie, im zweiten soll die ständige
Ausstellung über den Komponisten Werner Bochmann einziehen. Bis Herbst soll sie eingerichtet sein. Die Erbengemeinschaft habe viel zur Ausstellung über den Komponisten und berühmten Sohn der Stadt zur Verfügung gestellt – von Anzügen bis
hin zu Möbelstücken. Ungerer zufolge hat Siegfried Jordan bereits zugesagt, mit einem Bochmann-Block auftreten zu wollen. Am Samstag stand die Etage glücklicherweise noch leer und bot den Besuchern einen trockenen Unterstand. Letzter Mieter – im neu errichteten Dachgeschoss analog dem der benachbarten Bibliothek – ist ein Zahnarzt. „Zahnkunst“, meinte Ungerer
und scherzte: „Hier können sie sich über den Dächern der Stadt malträtieren lassen.“ Für die Verwaltung trägt das Projekt
nunmehr einen Haken. „Mission erfüllt, Auftrag abgearbeitet“, so der Bürgermeister, der nun den Blick auf Neues richtet: auf den Teichplatz und den noch fehlenden Brunnen am Markt. Dass dort wieder Wasser sprudelt, ist auch im Sinne der Fördergemeinschaft „Mehr Meerane“, der nach getaner Arbeit auch wieder neue Projekte angehen kann. Am Samstag übergab Vereinsvorsitzende Annemarie Friedrich Ungerer nach der Fertigstellung des Wunderlich-Pavillons im gleichnamigen
Park hinter dem Simmel- Einkaufszentrum feierlich einen symbolischen Schlüssel. Nach historischem Pfarrhaus und Weberbrunnen ist der Pavillon das dritte Objekt, um dessen Bewahrung sich die Fördergemeinschaft erfolgreich bemüht
hatte. Knapp 18.000 Euro kostete der Pavillon, fast die Hälfte habe die Fördergemeinschaft aufgebracht. Ungerer versicherte, der Schlüssel bekomme einen Ehrenplatz. Denn im Pavillon ist natürlich ein Sicherheitsschloss eingebaut. Er lobte Wunderlich als den bis heute größten Wohltäter der Stadt. Carl Wilhelm Wunderlich (28. 02. 1839 – 22.08. 1893) war Kaufmann, Stadtrat und Stifter, der sich um die Schaffung neuer und die Erweiterung bestehender Parkanlagen im durch die Industrie arg gebeutelten Meerane bemühte.
STIMMEN:
Gerhard Höfler, 68, Gast: „Erstaunlich, was man aus so einem alten Kaufhaus machen kann.“
Jürgen Martens, FDP-Landtagsabgeordneter: „Unglaublich. Ich kann mich noch an die Schießscharten an der Fassade erinnern.“
Wolfgang Zscherpel, Vorsitzender des Kunstvereins: „Ich habe bis jetzt keine Traurigkeit verspürt, dass wir umgezogen sind.“



