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Kreisreform gefährdet Ehrenamt

Von Gregor Tschung     Freie Presse, Mittweida/Rochlitz  17. Januar 2008


Weite Wege erschweren die Arbeit in Mittelsachsen — Kreiselternrat fordert schon jetzt eine stärkere Unterstützung


Rochlitz/Freiberg. Die bevorstehende Kreisreform birgt erhebliche Gefahren für bürgerschaftliches Engagement im künftigen Mittelsachsen. „Umso größer das Kreisgebiet, umso größer werden die Schwierigkeiten für alle Schüler- und Elternräte“, befürchtet der Döbelner Landtagsabgeordnete Heiko Hilker (Die Linke). Das gelte selbstverständlich auch für die ehrenamtlichen Beiräte und Beauftragte. „Vor allem die großen Entfernungen und die unterschiedlichen regionalen Bedürfnisse werden zu erheblichen Behinderungen führen“, meint auch der FDP-Abgeordnete Jürgen Martens. Erhebliche Probleme befürchtet Roger Hoffmann, Vorsitzender des Kreiselternrates in Mittweida: „So wie es bisher war, geht es nicht mehr.“ Weil der Zeitfaktor eine wesentliche

Rolle für gemeinsame Sitzungen spiele, sei damit zu rechnen, dass diese nicht mehr wie bisher wochentags, sondern nur noch an

den Wochenenden stattfinden könnten. Doch um überhaupt im künftigen Großkreis arbeitsfähig zu sein, müssten wesentliche Änderungen zur bisherigen Praxis eingeführt werden. „Wir brauchen eine zentrale Geschäftsstelle mit einem hauptamtlichen

Mitarbeiter“, so Hoffmann. Gleichzeitig müsse der Landkreis eine Kommunikationsplattform mit eigener Homepage und E-Mail-

Adressen zur Verfügung stellen. Und natürlich bedürfe es auch höherer finanzieller Zuschüsse. Nach derzeitigen Berechnungen seien

jährlich 1500 Euro das Minimum, um vernünftig arbeiten zu können. Bislang erhalten die Elternräte in den drei Landkreisen zusammen gerade mal 550 Euro als Unterstützung für Fahrtkosten und Briefmarken. Noch schwieriger sei die Arbeit des künftigen Kreisschülerrates, so Hoffmann. „Die meisten Schüler haben noch keinen Führerschein geschweige denn ein eigenes Auto.“ Helmut Karasek, Geschäftsführer der Lebenshilfe in Freiberg und Mitglied im Behindertenrat, betont wie wichtig die Arbeit in dem ehrenamtlichen

Gremium sei. „Wir haben uns immer stark eingemischt, wenn es beispielsweise um Stellungnahmen aus baufachlicher Sicht ging.“

In den Kreisverwaltungen spielen derartige Überlegungen offenbar noch keine Rolle, bestätigt auch der Freiberger Landrat Volker Uhlig

(CDU). Aber er ist sich sicher: „Der neue Landrat wird sich intensiv damit befassen müssen, wenn er die Nähe zum Bürger nicht verlieren

will.“ Wenn es nach dem Willen von Heiko Hilker ginge, würden die verschiedenen Beiräte und Beauftragen gesetzlich vorgeschrieben. Das geschehe aber offenbar deshalb nicht, weil das Land dann für die Kosten aufkommen müsste. So seien die künftigen Kreise für die Finanzierung der ehrenamtlichen Tätigkeit zuständig.

18.01.2008