Justizminister wollen bessere Leichenschau: Viele Tötungsdelikte
DONNERSTAG, 05 NOVEMBER 2009
HWelt.de online 05.11.2009
Berlin (KNA) Die Justizminister der Bundesländer wollen durch Änderungen bei der Leichenschau die Zahl unerkannter
Tötungsdelikte eindämmen. Bei ungeklärten Todesursachen solle nach der Todesfeststellung künftig stets ein anderer, speziell
geschulter Arzt die Obduktion vornehmen. Der Vorsitzende der Justizministerkonferenz der Bundesländer, Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP), sagte am Donnerstag in Berlin, dringend notwendig seien «speziell ausgebildete Mediziner für die Leichenschau». Dies sei auch in anderen Ländern üblich.
Die Justizminister-Konferenz hatte zu dem seit längerem diskutierten Thema vor zwei Jahren eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie
legte nun einen Bericht vor, dem die Konferenz zustimmte, wie die sachsen-anhaltinische Ministerin Angela Kolb (SPD) erläuterte.
Nach ihren Angaben gibt es eine hohe Dunkelziffer unerkannter Tötungsdelikte. Schätzungen gingen davon aus, dass auf jede
festgestellte Tötung zwei bis sieben unerkannte Tötungen kämen.
Die Minister streben auch eine Zusatzausbildung für Mediziner an, die Leichenschauen durchführen sollen. Kolb sagte,
verantwortlich für die Durchführung der zweiten Leichenschau sollten die Gesundheitsämter sein. Vorgeschlagen werde weiter, bei Säuglingen und Kindern unter 16 Jahren auf jeden Fall eine solche Obduktion vorzunehmen. Die Justizministerkonferenz will das Konzept nun zur weiteren Behandlung den Gesundheits- und Innenministern der Länder zuleiten.
Kurz vor der Konferenz hatte die Deutsche Hospiz Stiftung eine systematische Verbesserung von Leichenschauen gefordert. Der
Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, sprach von jährlich 1.200 bis 2.400 unentdeckten Tötungsdelikten in
Deutschland. Diese Zahl sei sind nicht hinnehmbar. Nirgendwo in Europa werde so wenig obduziert wie in Deutschland. Er
beklagte, die Gerichtsmedizin sei systematisch kaputtgespart worden. Insbesondere in Pflegeheimen und Krankenhäusern, «wo der Tod erwartet wird», sei es viel zu leicht möglich, unnatürliche Todesursachen und Pflegemängel zu vertuschen.
Brysch forderte «verpflichtende amtsärztliche Leichenschauen, für die besondere Qualitätskriterien gelten». Jedes Mal, wenn ein
pflegebedürftiger Mensch oder ein Krankenhauspatient sterbe, müsse die Todesursache besonders gründlich aufgeklärt werden. Der Stiftungsvorsitzende warnte die Länder, nur auf eine billige Lösung zu setzen und lediglich die Ärzte fortzubilden.



