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Jeder achte Rettungswagen kommt zu spät

Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung    Samstag, 2. August 2008


von Gunnar Saft


Wenn Hilfe gebraucht wird, sieht das sächsische Rettungsdienstgesetz für die Einsatzkräfte ein schnelles Handeln vor: Innerhalb von zwölf Minuten, nachdem der Notruf in der Leitstelle eingetroffen ist, sollen sie am Unfallort sein. So weit die Theorie. In der Praxis ist die Einhaltung dieser sogenannten Hilfsfrist allerdings weitaus schwieriger. Aktuelle Daten des zuständigen Innenministeriums, die jetzt der Sächsischen Zeitung vorliegen, zeigen, dass auch im vergangenen Jahr nicht jeder Rettungswagen rechtzeitig vor Ort war. Nur bei 88,2 Prozent aller Einsätze wurde die gesetzliche Vorgabe eingehalten. Oder anders gerechnet: Etwa fast jedes achte Einsatzfahrzeug kam letztlich zu spät. Im Innenministerium herrscht trotzdem keine Alarmstimmung. Mit dieser Verspätungsquote, so wird eisern

argumentiert, stehe Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern noch recht gut da. Zudem weise der Trend der vergangenen Jahre eine Verbesserung auf. 2003 wären die Rettungswagen zum Beispiel nur in 86,2 Prozent aller Einsätze pünktlich gewesen.

Auf heftige Kritik stößt diese Haltung jetzt bei der FDP-Landtagsfraktion. Deren innenpolitischer Sprecher Jürgen Martens hält entgegen, dass unterm Strich nur ein einziger Rettungszweckverband im vergangenen Jahr die gesetzlichen Vorgaben erfüllt hat. Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) könne aber immer noch keine Lösung für das Problem präsentieren. „Seit Jahren wird der gesetzwidrige Zustand erklärt und entschuldigt, aber nicht beseitigt“, so Martens. Aus seiner Sicht reden sich Verantwortliche wie Buttolo nur heraus. Witterung,

Straßenbaumaßnahmen und Verkehrsstörungen, die als Hauptgründe für die Verspätungen angegeben werden, seien natürlich nicht planbar. Doch der Gesetzgeber habe die Hilfsfrist bereits mit Blick auf eben solche Behinderungen definiert. „Die Einhaltung dieser Vorgaben ist also kein Luxus, sondern eine gesetzliche Verpflichtung mit dem Ziel, Leben zu retten.“ Das Ministerium zeigt sich unbeeindruckt und verweist darauf, dass es ausreiche, beim Personal und der Rettungstechnik so zu planen, dass die Hilfsfrist in 95 Prozent der jährlich anfallenden Einsätze erreicht werden kann. Irgendwann will man die Quote auch erreichen.

14.08.2008