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Gefängnis soll erweitert werden

In Reichenhain plant das Land Neubau für offenen Vollzug - Bisheriger Standort in Altendorf wird aufgegeben

freiepresse.de   online 02.03.2010


Männliche Insassen haben die Haftanstalt Chemnitz-Reichenhain schon lange verlassen. Knapp 250 Mitarbeiter im Verwaltungs-und Vollzugsdienst arbeiten im nun größten Frauengefängnis Mitteldeutschlands.



Chemnitz. Das Gefängnis an der Reichenhainer Straße soll erweitert werden. Der Planungsausschuss des Stadtrates hat am Dienstag einem Antrag des Freistaats zugestimmt, auf einem 2100 Quadratmeter großen Areal direkt neben der Haftanstalt einen 6,7 Millionen Euro teuren Neubau zunächst einmal planen zu dürfen. Dort sollen ab dem Jahr 2013 Häftlinge im so genannten offenen Vollzug untergebracht werden.

Nach Angaben des Justizministeriums sind von den 80 entstehenden Haftplätzen 40 für Männer und 35 für Frauen vorgesehen. Die restlichen fünf Plätze sollen Müttern mit Kindern vorbehalten bleiben. Zusätzlich zu den 80 Plätzen plant das Land Sachsen die Unterbringung von 15 weiblichen Jugendhäftlingen, teilte das Ministerium mit. In der Einrichtung würden 15 Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes eingesetzt, davon neun Frauen. Hinzu kämen Sozialpädagogen und ein Psychologe.

Nach Angaben von Ministeriumssprecher Till Pietzcker werden in dem Neubau Gefangene mit deren Zustimmung untergebracht, "wenn sie den besonderen Anforderungen zur Unterbringung genügen und nicht zu befürchten ist, dass sie sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Möglichkeiten des offenen Vollzuges zur Begehung von Straftaten missbrauchen". Vom offenen Vollzug ausgeschlossen seien Untersuchungshäftlinge und Gefangene, die sich in Abschiebungshaft befinden.

Nicht geeignet für die Unterbringung seien Häftlinge, die laut Pietzcker erheblich suchtgefährdet sind oder die während der Inhaftierung eine Flucht oder einen Fluchtversuch begangen haben. Demgegenüber könnten durchaus auch Gefangene im offenen Vollzug untergebracht werden, die wegen Gewalttätigkeiten gegen Personen, wegen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder wegen Handels mit Betäubungsmitteln inhaftiert sind. Ihre Unterbringung dort bedürfe aber einer besonders gründlichen Prüfung, um den Missbrauch auszuschließen. "Bereits deswegen wird dies nur im Ausnahmefall erfolgen können", so Pietzcker.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Chemnitz verfügt seit 1996 über einen offenen Vollzug, der sich zunächst an der Reichenhainer Straße befand. Seit dem Jahr 2000 ist diese Abteilung in Altendorf untergebracht. Der offene Vollzug verfügt zurzeit über 60 Haftplätze, 45 für Frauen und 15 für Männer.Mit dem Neubau soll der bisherige Standort, der sich mitten in einem Wohngebiet befindet, aufgegeben werden. Nach Fertigstellung der Einrichtung soll die JVA Chemnitz-Reichenhain über insgesamt 410 Haft- sowie 15 Jugendarrestplätze verfügen. Die 330 Haftplätze im geschlossenen Vollzug werden von den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als gemeinsames Frauengefängnis genutzt.

 


Stichwort

Die Unterbringung im offenen Vollzug ist laut Sächsischem Justizministerium die letzte Stufe zur Resozialisierung. Sie soll dem Gefangenen einen gleitenden Übergang in die Freiheit ermöglichen, zum Beispiel durch Arbeit außerhalb der Haftanstalt. Das Leben im offenen Vollzug sei den allgemeinen Lebensverhältnissen weit stärker angeglichen als im geschlossenen Vollzug. So gebe es keine oder nur verminderte Vorkehrungen gegen Flucht; an den Fenstern seien keine Gitter angebracht. Die Gefangenen dürften eigene Kleidung tragen, der Schrift- und Besucherverkehr werde nicht überwacht. Zudem würden den Gefangenen Schlüssel zu ihren Hafträumen ausgehändigt. Strikt verboten seien dagegen Alkohol- und Drogenkonsum. (su)

4.03.2010