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Für Aue schlagen heute 124 Herzen

Freie Presse Schwarzenberg


Von Andreas Tröger


Aue/Dresden. Ein Herz für Aue – schlägt heute im sächsischen Landtag. Im wahrsten Sinn des Worts. Denn die 124 Parlamentarier werden an ihren Dresdner Bürotüren einen süßen Nikolaus-Gruß finden: einen Lebkuchen mit der „gezuckerten“ Aufschrift „Für Aue“.

Für die Überraschung sorgten am frühen Morgen sozusagen als Nikolaus-Gehilfen Kreisstadt-Bürgermeister Heinrich Kohl und die

beiden hiesigen Landtagsabgeordneten Thomas Colditz aus Aue und Alexander Krauß aus Erlabrunn (alle CDU). Als fleißiger Nikolaus-Gehilfen- Helfer erwies sich der Auer Bäckermeister Falk Schellenberger. Der hat den Lebkuchenteig angerührt. „Schließlich muss man in der Kreissitzfrage fürs Großerzgebirge immer wieder rühren – für Aue“, sagte er gestern. Ob die Auer Luft im Teig auch die Pläne aufgehen lässt, in der Hauptstadtdiskussion eine Kehrtwende vollziehen zu können, bleibt freilich auch heute ungewiss. Immerhin

versuchen das die Auer mit Herz, wie es Heinrich Kohl gestern bildhaft formulierte. Er versteht das Naschwerk gewissermaßen als eine

süße Erinnerung an die Pflicht der Landtagsmitglieder, in der Kreissitzfrage eine sachgerechte Entscheidung zu treffen. Ob das hilft, weiß

auch der Bürgermeister nicht. Dafür weiß er ein Mittel, sollten sich die Abgeordneten im Nikolaus’schen Sinne nicht als „brave Kinder“ zeigen: „Dann ziehen wir die Rute!"

Die wird möglicherweise in Kiel geschwungen werden. Dann nämlich, wenn der dort beheimatete Anwalt Wolfgang Ewer gute Aussichten

ausloten wird, gegen die Gebietsreform gerichtlich zu Felde zu ziehen. Der promovierte Rechtsanwalt fertigt für den Landkreis ein

entsprechendes Gutachten. Heinrich Kohl sieht’s optimistisch. Bei diesem hektischen Gesetzgebungsverfahren zur Gebietsreform seien

Formfehler geradezu programmiert, glaubt er. Dazu gehöre die bislang fehlende sachgerechte Abwägung der Argumente pro Aue.

Übrigens hat auch die Linksfraktion bereits einen Prüfungsauftrag ausgelöst, inwieweit gegen das Gesetz Klagemöglichkeiten bestehen.

Das bestätigte der aus Aue stammende Landtagsabgeordnete Rico Gebhardt. Im übrigen halte man an der Forderung fest, die Frage nach dem Verwaltungssitz durch den neuen Kreistag beantworten zu lassen. Das ist auch die Intention des FDP-Parlamentariers Jürgen Martens. „Eine solche Entscheidung soll den Leuten vor Ort überlassen bleiben“, sagte er gestern. Allerdings bleibe das Votum dafür oder dagegen die Sache jedes einzelnen Abgeordneten. „Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang.“ Er persönlich lehne die Reform in Gänze ab. „Ich lassen mich von der Regierung nicht in die Bredouille bringen, zwischen A und B als Kreissitz entscheiden zu müssen. Ich halte das im Schweinsgalopp durchgezogene Gesetz für Murks.“ Martens gehörte zu den Innenausschuss -Mitgliedern, die sich in diesem Jahr von den Gegebenheiten in Aue überzeugt haben. Thomas Colditz und Alexander Krauß sind in ihrer Fraktion sozusagen die Rufer in der Wüste. Hilfe für Aue als Kreissitz ist laut Colditz aus den CDU-Reihen nicht zu erwarten. Die beiden hiesigen Abgeordneten

wollen zwar die Reform als Gesamtpaket nicht gefährden. Allerdings werden sie beantragen, Aue als Sitz des Erzgebirgskreises zu bestimmen. „Wir wollen, dass darüber separat entschieden wird“, so Colditz gestern. Er halte zudem eine namentliche Abstimmung für überlegenswert.

6.12.2007