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Feuerwehren in Sachsen fehlt es an Personal und Nachwuchs

Den Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen geht das Personal aus: Hatten die ehrenamtlichen Wehren im Jahr 2003 noch 50.363 aktive Mitglieder, waren es vier Jahre später noch 48.181. Noch dramatischer ist der Rückgang der Mitglieder von Jugendfeuerwehren. Hier brach die Mitgliederzahl im gleichen Zeitraum um 20 Prozent von 12.765 auf 10.214 ein. Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Große Anfrage der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag zum Thema „Situation der Feuerwehren im Freistaat Sachsen“ hervor. Die FDP-Landtagsfraktion hatte in sieben Themenkomplexen 59 Fragen gestellt, deren Beantwortung nun ein umfangreiches Bild der Lage der Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen zeichnet.


Die Veröffentlichung der Großen Anfrage mit der Vorstellung der politischen Bewertung durch die FDP-Fraktion hatte Anfang Oktober 2008 ein breites Medienecho ausgelöst. „Alarm bei der Feuerwehr“ titelte die Leipziger Volkszeitung, „Sachsens Feuerwehr sendet Notruf“ die Sächsische Zeitung. „Sachsens Feuerwehr ist abgebrannt“ überschrieb die BILD ihre Berichterstattung, die Morgenpost sah „Sachsens Feuerwehren in höchster Not“.

Jugendfeuerwehren attraktiver machen


Denn dass Freiwillige Feuerwehren in Sachsen aus Personalmangel nicht mehr die notwendige Soll-Stärke der Mannschaften erreichen können, ist längst kein Einzelfall mehr. Und die Personallücken sind oftmals gravierend: In Meißen und Coswig beispielsweise beträgt das Defizit 27 Prozent. Aber nicht nur kleinere Städte sind betroffen, auch Dresden und Görlitz melden, dass die Soll-Stärke nicht erreicht wird.


Das Personalproblem der Freiwilligen Feuerwehren wird sich in den kommenden Jahren nach Ansicht der FDP-Landtagsfraktion sogar noch verschärfen. Die bereits jetzt drastischen Einbrüche bei den Jugendfeuerwehren, aus denen später die ehrenamtliche Brandbekämpfer hervorgehen, belegen das. Zudem kommen bald die geburtenschwachen Jahrgänge in das Alter für eine Mitgliedschaft in Jugendfeuerwehren. Hier müsse dringend angesetzt werden, fordert die FDP-Fraktion: Die Jugendarbeit der Feuerwehren müsse mit einer angemessener Förderung durch den Freistaat verstärkt werden; die Jugendfeuerwehren müssten zudem bereits für Schulkinder unter zehn Jahren geöffnet werden.


Ehrenamtliche von Bagatellaufgaben entlasten


Auf der einen Seite müsse so das Nachwuchsproblem angegangen, auf der anderen Seite aber auch die Freiwilligen Feuerwehren entlastet werden, fordert die FDP-Fraktion weiter. Denn die Zahl der Brandeinsätze ist zwar von 2003 auf 2007 um 37 Prozent auf 5.493 gesunken. Doch die Zahl der so genannten Hilfseinsätze ist im gleichen Zeitraum um 38 Prozent auf 13.659 gestiegen: Immer öfter werden die Feuerwehren zu Bagatelleinsätzen gerufen, die nichts mit der Kernaufgabe des Brandlöschens zu tun haben. Hier gilt es nach Auffassung der FDP-Landtagsfraktion, einen Riegel vorzuschieben: Genauso wie verunfallte Autos von privaten Abschleppfirmen vom Unfallort gebracht werden, könnten solche auch nach Bagatellunfällen beispielsweise kleinere Ölspuren beseitigen und Glassplitter von der Straße fegen – dazu müssen nicht eigens ehrenamtliche Feuerwehrmänner alarmiert und somit von ihrer Arbeitsstelle abgezogen werden.


Im Oktober 2008 wird die Große Anfrage „Situation der Feuerwehren im Freistaat Sachsen“ Gegenstand einer Debatte im Sächsischen Landtag sein. Die FDP-Fraktion will dazu einen Entschließungsantrag einbringen: Das Parlament soll Leitlinien verabschieden, wie die Lage der Feuerwehren in Sachsen verbessert werden kann.


(Dresden/07. Oktober 2008)

9.10.2008