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Eklat um Gedenktafel für ermordete Ägypterin

Wird ausgerechnet die Familie des Mordopfers Marwa El-Sherbini nicht an der Gedenkfeier in Dresden teilnehmen?

Von Karin Schlottmann       SZ 12.12.2009


Am 1. Juli war die Ägypterin Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden von einem Rechtsextremisten ermordet worden – am nächsten Mittwoch soll ihr zu Ehren im Gerichtsgebäude eine Gedenktafel angebracht werden. Justizminister Jürgen Martens (FDP) will dort eine Ansprache halten, ebenso Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Ob die Gedenkveranstaltung wie geplant stattfindet, ist seit Freitagabend allerdings fraglich. Der Termin sei weder mit den Anwälten noch mit der Familie abgestimmt worden, kritisierte Rechtsanwalt Oliver Wallasch am Freitag im SZ-Gespräch. Der Witwer von Marwa El-Sherbini, der 32-jährige Elwy Okaz, sei gestern in seine ägyptische Heimat geflogen. Er wolle seinen dreijährigen Sohn nach langer Zeit wiedersehen. Der Flug sei vor längerer Zeit gebucht worden. Okaz, der am Max-Planck-Institut in Dresden arbeitet, kann daher am Mittwoch definitiv nicht an der Enthüllung der Gedenktafel für seine Frau teilnehmen. Wallasch sagte, er habe das Justizministerium gebeten, die Einweihung der Gedenktafel auf den Januar zu verschieben. Darauf habe sich das Ministerium aber zunächst nicht eingelassen. „Das Land Sachsen ist offenbar der Meinung, dass Herr Okaz an der Veranstaltung nicht teilnehmen muss“, empörte sich der Anwalt. „Das ist unglaublich, ich kann es gar nicht fassen.“ Das Justizministerium lasse in dieser Angelegenheit jedes Fingerspitzengefühl vermissen.

Till Pietzcker, Sprecher des Justizministeriums, wies die Vorwürfe auf SZ-Anfrage zurück. Der Termin sei lange geplant und mit dem ägyptischen Botschafter abgestimmt worden. „Wir wünschen uns sehr, dass Herr Okaz kommt.“ Deshalb noch am Freitagabend die Kehrtwende: Das Ministerium habe, so Pietzcker, Rechtsanwalt Wallasch um neue Terminvorschläge gebeten. Der bisherige Termin wurde aber nicht offiziell abgesagt. Der Frankfurter Rechtsanwalt vertritt Okaz und weitere Hinterbliebene in den Verhandlungen mit der Landesregierung über Schmerzensgeld. Nach Ansicht der Hinterbliebenen hätte der Mord an Marwa El-Sherbini verhindert werden können, wenn die Justiz Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht getroffen hätte. Bis zu dem Mord gab es keine regelmäßigen Personenkontrollen im Landgericht. Der Täter konnte deshalb ungehindert ein Messer in den Gerichtssaal schleusen. Er ist am 11. November zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

14.12.2009