DRESDNER DEPESCHE
Viel Schärfe und eine Landesbank
DNN + LVZ 07.12.2009 Von Jürgen Kochinke
Das Tagesgeschäft kann schon tückisch sein. Da wird schnell mal eine Pressemitteilung geschrieben, als kleine Reaktion auf ein Ministerwort – oder manchmal auch bloß als Reaktion auf eine Reaktion. Und genauso schnell rutscht einem da was durch. Wie den Grünen kürzlich: „Äußerungen von Justizminister Mackenroth zum Versammlungsrecht scharf“ lautete die Betreff-Zeile in der E-Mail. Das gibt uns zu denken. Dass Äußerungen eines Justizministers scharf sein können, mag sein; aufgefallen ist es uns aber bisher selten – vor allem nicht bei Geert Mackenroth. Dass aber eben jener Justizminister ist, kann nun schon gar nicht sein. Schließlich ist der CDU-Mann nach der Wahl aus dem Kabinett befördert worden, sein Nachfolger heißt Jürgen Martens und ist von der FDP. Also lesen wir weiter im Text – und erblicken des Rätsels Lösung: „Grüne kritisieren Äußerungen von Justizminister Martens zum Versammlungsrecht scharf.“ Na, dann ist ja alles in Ordnung.
Regierungschef Stanislaw Tillich hat eine eigene Bank, wir hatten es gemeldet. Das gute Stück ist aus Holz, steht direkt vor der Staatskanzlei an der Elbe und ist ein Geschenk von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz – nachträglich zum 50. Geburtstag von Tillich. Das weiße Sitzmöbel lädt allerdings nicht nur zum Verweilen ein, es regt offensichtlich auch an zu Wortspielen diverser Natur: „Sie werden platziert! Das ist Tillichs neue Landesbank“ titelte kürzlich ein Dresdner Boulevard-Blatt zum entsprechenden Foto. Das war ein kleiner Wink, schließlich musste der Freistaat seine Pleite-Bank namens SachsenLB verkaufen. Und auch sonst bietet sich einiges Bildhaftes an: „Endlich eine sichere Bank für Sachsen“ lautet die eine Variante; Tillich könne „jetzt alles auf die lange Bank schieben“, ist der Tenor der anderen. So viel Wortwitz für einen einfachen Sitzplatz.



