Dippser Richter verschärfen die Kontrollen
Von Verena Weiß und Franz Herz SZ Dippoldiswalde 09.12.2009
Taschenkontrolle vor dem Gerichtssaal in Dippoldiswalde. Zwei Polizeibeamte stehen vor dem Verhandlungssaal, nehmen jeden, der die Tür passieren will, ins Visier. Schlüsselbund und Telefon ziehen sie ein. Mit einer Sonde suchen sie versteckte Waffen. Erst dann ist der Weg frei, der Prozess beginnt.
Ein Bajonett im Auto
Solche Kontrollen bleiben zwar die Ausnahme. Doch seit dem tödlichen Überfall auf eine Ägypterin am Dresdner Landgericht haben auch die Dippser Richter die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Grundlage dafür ist ein neues Konzept, das Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP) vorlegte und das mehr Sicherheit in Gerichtsgebäuden vorsieht. In seltenen Fällen forderten die Richter früher schon Wachschutz an. Seit dem Fall in Dresden passiert das häufiger. „Wir haben in Dippoldiswalde eine günstige Situation, weil gleich über den Markt das Polizeirevier ist. Die Beamten können schnell zum Gericht kommen“, sagt der Dippser Amtsgerichtsdirektor Joachim Thomas. Das ist wichtig, wenn kurzfristig ein Problem auftritt. Im September hatte Strafrichterin Daniela Höllrich-Wirth Schutzleute aus Dresden angefordert. Damals hatte ein Angeklagter vorher schon Zeugen bedroht, die im Prozess aussagen sollten. Das Verfahren ging ohne Zwischenfälle über die Bühne. Aber die Richter sind sensibler geworden. Denn auch im beschaulichen Dippoldiswalde kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Thomas erinnert sich an den Mann, der erst im Dippser Landratsamt Rabatz machte und ankündigte: „Ich fahre jetzt zum Gericht. Da passiert was.“ Sofort ging Alarm an die Richter und die Polizei. Deren Beamte durchsuchten den Mann und fanden erst nichts. In seinem Auto entdeckten sie tatsächlich ein Bajonett. „Das hat ihm noch ein Verfahren wegen illegalen Waffenbesitzes eingebracht“, berichtet Thomas.
Damit solche Waffen gar nicht ins Gericht kommen, wird jetzt ein Sensor eingesetzt, mit dem die Wachleute Besucher auf versteckte Gegenstände kontrollieren. Der Gerichtsdirektor hat mit seinen Kollegen beraten, wie sie die Sicherheit weiter verbessern können. Die Voraussetzungen im Dippser Schloss sind dafür gut. „Wir haben nur eine Eingangstür. Dort muss jeder an der Wache vorbei“, sagt Gerichtsdirektor Joachim Thomas. So ist leicht zu überwachen, wer das Gebäude betritt und was er eventuell dabei hat. „Wir wollen das aber weiter verbessern“, sagt Thomas. Die Richter wollen einen Spiegel oder eine Kamera am Eingang montieren lassen, damit der noch besser zu überwachen ist. Die Richter überlegen auch, ein Drehkreuz anzubringen. Das verhindert, dass mehrere Menschen auf einmal in das Gebäude stürmen. „Wir werden uns die einzelnen Gegebenheiten vor Ort ansehen und dann entscheiden, was möglich ist“, sagt Till Pietzcker, Pressesprecher des Justizministeriums.



