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Der Sachse aus dem Schwarzwald

Baden-Württemberg

Südkurier online 18.11.2009


Eitelkeiten sind nicht sein Ding. Wenn Jürgen Martens morgens von seinem Wohnort Meerane nach Dresden fährt, setzt er sich selbst hinters Steuer, um seinem Fahrer noch eine Mütze Schlaf zu gönnen. Für „so fit“ halte er sich schon, dass er die 110 Kilometer auch alleine hinter sich bringe, scherzt der Mann, der einst in Königsfeld im Schwarzwald aufwuchs. Heute staunt der 50-Jährige ein wenig über seine politische Karriere. Mit dem Trossinger Bundestagsabgeordneten Ernst Burgbacher verbindet ihn die Zeit bei den Jungdemokraten im Südwesten. „Wir begegnen uns immer noch mit einem Staunen, wie die Geschichte manchmal so spielt“, schmunzelt Martens im Gespräch mit dieser Zeitung.

Burgbacher ist inzwischen Staatssekretär im Kabinett Merkel, und Martens hat es gerade zum sächsischen Justizminister gebracht. Der Schwarzwald hat den gebürtigen Münchner geprägt. In Königsfeld war der Zehnjährige einst gestrandet, weil sein Vater als Physiker dort eine Arbeit bekam. Schon der Zinzendorf-Schüler debattierte mit Freude. Wo der Schlacks auftauchte, diskutierte er sein Gegenüber in Grund und Boden, merken Zeitgenossen an. Schon das schulische Umfeld war liberal, und das auch im parteilichen Sinne. Denn Martens Klassenkameradin war Susanne von Lambsdorff, die Tochter des damaligen Wirtschaftsministers, der hin und wieder in einer schwarzen Li mousine vor dem Internat vorfuhr. Mit 17 trat der politisch Frühreife den Jungliberalen bei. Er wusste, wo man Informationen am besten an den Mann bringt. Neuigkeiten waren gefragt besonders in Titisee-Neustadt, wo der SÜDKURIER damals in besonders scharfer Konkurrenz stand. „Da nahm man meine Sachen oft sehr gerne“, erinnert sich Martens an seine ersten Gehversuche als politischer Öffentlichkeitsarbeiter. Nach dem Studium tingelte der Referendar über Konstanz und Villingen nach Baden-Baden. Die politischen Kontakte festigten sich – auch während seiner Lehrzeit bei der FDP- Landtagsfraktion, der damals schon Baden- Württembergs heutiger Justizminister Ulrich Goll angehörte. Nach dem Mauerfall ging Martens als Anwalt nach Sachsen, wo er mithalf, das Justizwesen nach westlichem Standard aufzubauen. Ein Kraftakt, den Martens heute als eine „riesen Herausforderung“ bezeichnet. Zwölf Stunden und länger habe der Arbeitstag damals schon gedauert. Für den Juristen aus Baden- ürttemberg aber hat sich das allemal gelohnt. „Heute ist die Justiz hervorragend aufgestellt, Vergleiche mit den alten Bundesländern brauchen wir nicht zu scheuen“, sagt Martens. Eines musste er sich für sein neues Amt jedoch abgewöhnen: seine lockeren Sprüche, die noch dem FDP-Abgeordneten im sächsischen Landtag über die Lippen kamen. Journalisten gegenüber wirkt er trittfest, auch als Vorsitzender der Justizminister-Konferenz. Der noch neue Minister, dem frühere Weggefährten auch kabarettistisches Talent nachsagen, weiß sehr wohl um die Wirkung von Worten. Zu den Zielen seiner Amtszeit gehört die Einführung des elektronischen Rechenverkehrs, von dem der Bürger profitieren soll. Martens sieht darin auch einen Teil der Staatsmodernisierung, die bekanntermaßen zur Tradition Sachsens gehört. Ob Martens eines Tages wieder nach Königsfeld zurückkehrt, lässt er freilich offen. „Das kann ich noch nicht sagen, wo ich aufs Altenteil geh'“, sagt er. Doch den Schwarzwald steuert der Familienvater mit seinen zwei Kindern auch heute noch gelegentlich an. Nicht zuletzt wegen der Verwandten.




Nils Köhler

1.12.2009