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Buttolo fordert erneut Sexualstraftäterdatei

Die Verurteilung des Mörders des neunjährigen Mitja hat eine erneute Debatte über öffentliche

Sexualstraftäterdateien ausgelöst. Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) erneuerte am Dienstag seine Forderung

nach Einführung einer solchen Datei, FDP, Linke und Grüne im Landtag lehnten dies ab.


Leipzig (ddp-lsc). Die Verurteilung des Mörders des neunjährigen Mitja hat eine erneute Debatte über

öffentliche Sexualstraftäterdateien ausgelöst. Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) erneuerte am Dienstag seine Forderung

nach Einführung einer solchen Datei, FDP, Linke und Grüne im Landtag lehnten dies ab. Die Forderung des Ministers

sei unverständlich, da sein eigenes Ministerium solche Pläne im Frühjahr bereits als verfassungswidrig eingestuft habe, sagte der

FDP-Rechtsexperte Jürgen Martens.

Die Kinderhilfe Direkt unterstützte dagegen die Pläne für eine solche Datei, wandte sich

jedoch dagegen, sie öffentlich zugänglich zu machen. Das Landgericht Leipzig verurteilte am Dienstag Mitjas Mörder zu

einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der 43-jährige Uwe K. hatte am 22. Februar Mitja mit

zu sich nach Hause genommen, dort vergewaltigt und wenig später ermordet. Die Leiche versteckte er zwei Tage später in

seiner Gartenlaube. Als die Polizei ihm auf die Spur kam, flüchtete er. Erst mit seinem Selbstmordversuch am 1. März fand die

Flucht ein Ende. Buttolo sagte, der Schutz potenzieller Opfer müsse stets Vorrang vor den Persönlichkeitsrechten der Täter

haben. «Der Fall Mitja zeigt ja, dass eine hohe Rückfallgefahr da ist und dass man durchaus dafür Sorge tragen muss, dass

ein Rückfall erschwert wird. Hier wäre eine derartige Datei sehr hilfreich», fügte der Minister hinzu. Uwe K. war wegen

sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen vorbestraft. Zuletzt war er 1998 verurteilt worden. Der rechtspolitische Sprecher

der FDP-Landtagsfraktion, Martens, nannte den Vorschlag des Ministers «populistischen Unfug». Buttolo wolle damit offenbar von

den eigenen Pannen in der sächsischen Innenpolitik ablenken. Zudem habe das Ministerium selbst einen solchen Vorschlag bereits

im Frühjahr als verfassungswidrig eingestuft. Nötig zum Schutz der Bevölkerung vor Sexualstraftätern seien vielmehr eine

bessere Abstimmung der Behörden untereinander sowie eine bessere Finanz- und Personalausstattung. Die

innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Cornelia Ernst, sagte, keines der jüngsten Verbrechen an Kindern wäre durch eine

solche Datei verhindert worden. Sie nannte den Minister «Sachsens Sicherheitsrisiko Nummer eins», da er in Serie die

Öffentlichkeit verängstige und die Rechtsordnung ignoriere. «Hilfreich wäre nicht die öffentliche Sextäter-Datei, sondern

Buttolos Rücktritt», sagte Ernst. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Johannes Lichdi, forderte von der

Staatsregierung ein präventives Konzept gegen Sexualtäter, statt die Bevölkerung in falscher Sicherheit zu wiegen. Dazu gehöre,

dass Kinder besser zum Schutz vor Gewalttätern geschult würden und die Polizei besser ausgestattet werde. Unterstützung

erhielt Buttolo durch die Kinderhilfe Direkt. Eine Sexualstraftäter-Datei sollte jedoch nicht als öffentlicher Pranger eingesetzt

werden, sondern Vereinen und Institutionen, die mit Kindern arbeiten, zur Verfügung stehen. Der Verein forderte zudem,

die Möglichkeit einer Sicherungsverwahrung auch bei jugendlichen Straftätern einzuführen. Zudem müssten die Therapieauflagen

für einschlägige Täter verschärft werden. (ddp)

5.11.2007