Auf gute Nachbarschaft
Justizminister Martens morgen in Regis / JSA bietet wieder Tage der offenen Tür am 14. und 15. November an
LVZ Borna-Geithain 29.10.2009
Regis-Breitingen. In der Pleißestadt bemüht man sich nach Kräften, die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen
Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) und Stadt zu verbessern. Das Miteinander hatte nicht zuletzt wegen der Aufregung um die Misshandlungsvorfälle im vergangenen Jahr (die LVZ berichtete) und den im Stadtrat angeprangerten Imageschaden des 4000-
Einwohner-Städtchens Kratzer bekommen. Mehrere Maßnahmen werden nun angestrengt, um der überregionalen
Außenwirkung (der Regis-Breitingen durch den Jugendknast zweifelsohne und zwangsläufig ausgesetzt ist) einen positiven Anstrich zu verpassen. Gestern Vormittag trafen sich Anstaltsleiter Uwe Hinz und Bürgermeister Thomas Kratzsch (parteilos) mit Stadträten zu einem Gedankenaustausch im Rathaus. Morgen wird der neue Justizminister des Freistaates, Jürgen Martens
(FDP), das Jugendgefängnis besuchen. Und in gut zwei Wochen öffnet die Anstalt abermals für interessierte Besucher die Sicherheitsschleuse: Am 14. und 15. November finden Tage der offenen Tür statt. Das gestrige Gespräch im Rathaus verlief konstruktiv und ohne den Anspruch, sofort Lösungen für aufgelaufene Probleme parat zu haben. „Ich habe die Argumente und Möglichkeiten der Anstaltsleitung aufgezeigt. Für gewisse Punkte kann nicht die Anstalt, sondern können nur die entsprechenden
Ministerien Ansprechpartner sein. Zwischen Stadt und uns wurde aber vereinbart, dass wir künftig enger in Kontakt stehen wollen. Ich werde voraussichtlich Anfang des Jahres zu einer Stadtratssitzung eingeladen“, erklärte Hinz, der sich „zurzeit primär“ auf den morgigen Ministerbesuch vorbereitet. Uwe Hinz hatte unterdessen außerdem Kontakt zu Mietern des Wohngebietes Regis-Nord aufgenommen. In einem Schreiben an den Vermieter hatte Hinz sein Interesse bekundet, mit Anwohnern über deren Befindlichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft zur JSA ins Gespräch zu kommen. Wann das Treffen stattfindet, sei aber noch nicht klar.
Das Justizministerium hatte es schon angekündigt: Jürgen Martens wird – auch wegen der ausgesprochenen und in einem Offenen Brief niedergeschriebenen Kritik des Regiser Stadtrates – morgen die JSA „als erste Anstalt in Sachsen“ besuchen. Wie dessen Sprecher Till Pietzcker gestern erklärte, werde der Besuch „ohne Presse“ stattfinden – meint: unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Pietzcker: „Minister Martens möchte sich ein Bild von der Anstalt machen und mit Bediensteten, Anstaltsleitung
und Gefangenen ins Gespräch kommen.“ Dabei sollen auch aktuelle Probleme besprochen werden, die es zunächst intern auszuwerten gelte. Um der breiten Öffentlichkeit einmal mehr die Möglichkeit zu bieten, hinter die Kulissen der Sicherheitszäune an der Pleiße zu schauen, bietet die Anstalt wieder Tage der offenen Tür an. „Die Besucher erhalten Gelegenheit, sich bei einem Rundgang mit den Besonderheiten des Jugendstrafvollzuges vertraut zu machen. Die Unterbringung der Jugendstrafgefangenen sowie Bildungs- und Freizeitangebote werden im Mittelpunkt der Darstellung stehen, aber auch Ergebnisse künstlerischer
Aktivitäten werden zu besichtigen sein“, kündigte die stellvertretende Anstaltsleiterin Claudia Ramsdorf an. Eine telefonische Anmeldung für die Besichtigungen sind in jedem Fall erforderlich. Interessenten sollten sich Plätze sofort zu den Dienstzeiten von 9 bis 11.30 und 13 bis 15 Uhr unter 034343/5 55 40 00 für einen der Besichtigungstage (14. und 15. November) reservieren – die Teilnehmerkapazitäten sind begrenzt. Kinder unter 14 Jahren können die Anstalt nicht besuchen, teilte die Leitung mit. Die Resonanz vergangener Jahre auf dieses Angebot war enorm. Schnelles Handeln ist also anzuraten.
Thomas Lieb



