Alarm-Stimmung bei Sachsens Feuerwehren
Lausitzer Rundschau, 07.10.08
Das Papier ist 141 Seiten stark und ein Resultat von drei Monaten Arbeit. Doch das Ergebnis ist im wahrsten Sinne alarmierend: Den sächsischen Feuerwehren geht das Personal aus. Dies geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Große Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die der liberale Innenpolitiker Jürgen Martens gestern vorstellte.
„Die Freiwilligen Feuerwehren sind in den meisten Gegenden Sachsens chronisch unterbesetzt und leiden unter Nachwuchsmangel“, kritisierte Martens. In manchen Städten fehle bereits mehr als ein Viertel der eigentlich vorgeschriebenen Rettungskräfte. Die Zahl der Feuerwehren sei von 2003 bis 2007 um fast 50 auf 1568 gesunken, die Zahl der freiwilligen Einsatzkräfte von mehr als 50 000 auf rund 48 000. „Noch dramatischer ist der Rückgang bei den Jugendfeuerwehren um rund 20 Prozent“, sagte Martens. Damit drohe den
Wehren, der Nachwuchs wegzubrechen. Betroffen seien vor allem die kleinen Gemeinden, aber auch Großstädte wie Dresden und Görlitz. Daher sei eine Aufwertung der ehrenamtlichen Tätigkeit insbesondere bei den Jugendlichen nötig, forderte Martens. „Die Jugendfeuerwehren werden zu stiefmütterlich behandelt.“ Aus Landesmitteln würden durchschnittlich nur rund 32 Euro pro Jugendlichem ausgegeben. In einer Befragung hätten daher drei Viertel der jungen Aussteiger angegeben, sie hätten nun „andere Interessen“ und „kein Lust mehr“.
Martens erneuerte daher seine Forderung nach einer „Bambini“-Feuerwehr. „Kindern muss schon mit sechs Jahren der Einstieg erlaubt sein. Mit zehn Jahren geht es viel zu spät los“, meint Martens. Um die Attraktivität der Wehren zu steigern, müssten die Retter zudem von unnötigen Aufgaben entlastet werden. „Die Beseitigung einer Ölspur und von Glassplittern nach einem harmlosen Verkehrsunfall kann auch ein privater Dienst übernehmen.“ Solche Lappalien seien eine unnötige Belastung für die Arbeitgeber in den ländlichen Regionen, die ihre Mitarbeiter jedes Mal freistellen müssen. Die Zahl solcher Hilfseinsätze sei seit 2003 von 9900 auf 13 700 gestiegen, während die Zahl der Brandeinsätze von gut 8700 auf knapp 5500 gesunken sei. Martens forderte ferner, die Ausbildungspläne im freiwilligen Löschdienst zu überarbeiten und die Kurse der verschiedenen Landesfeuerwehrschulen zusammenzulegen, da die Grundausbildung in vielen Bundesländern sehr ähnlich sei. Mehr Geld für BrandschutzIm Innenministerium ist das Problem bekannt. „Der demografische
Wandel geht auch an den Feuerwehren nicht vorbei“, sagte Ministeriumssprecher Lothar Hofner. Im nächsten Doppelhaushalt würden dennoch die Investitionen in den Brandschutz von 31 Millionen auf insgesamt 50 Millionen Euro erhöht. Außerdem seien Kampagnen
geplant, um die Attraktivität der Feuerwehren zu steigern. Keine Erklärung gab es allerdings für den kuriosen Umstand, dass in Dresden fast 30 Prozent aller falschen Alarme ausgelöst werden. „Dresden,“ sagte Martens, „ist damit auch Deutschlands Landeshauptstadt der Fehlalarme.“



